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Zur Fastenzeit

Mama, warum ist Fastenzeit? Was antwortet Mama oder Papa, oder Grossmama oder Grosspapa? Das machen die Christen jedes Jahr, schon ganz lange, seit es Christen gibt. – Aber warum machen wir das? Machst du das auch? Fastet ihr wie die Muslime im Ramadan? – Weisst, wir essen und trinken und tun jeden Tag so viele Dinge, die eigentlich nicht unbedingt nötig sind, ja die uns sogar nicht einmal immer guttun. Oder wir brauchen zu viel oder tun nicht das Richtige. In der Fastenzeit machen wir Frühlingsputz und räumen aus, was nicht nötig ist. – Was macht ihr da zum Beispiel? – Ich esse keine Süssigkeiten und schaue weniger Fernsehen, und Papi trinkt in dieser Zeit keinen Wein und ist weniger im Internet, damit er mehr Zeit hat für dich. Und was könntest du tun? – Weniger Aufgaben machen, damit ich mehr Zeit habe für dich. – Nein, so ist es nicht gemeint, du Lauser. Das würde dir nicht so guttun. Aber du könntest Frühlingsputz machen in deinem Zimmer und aufräumen. Und zwei Tage pro Woche auf Gamen verzichten. Wäre das etwas? Dann kannst du erfahren, wie du im Herzen frei wirst. Wie lange müsste ich auf Gamen verzichten? Wie lange geht denn die Fastenzeit? Sie hat schon am Aschermittwoch begonnen und dauert vierzig Werktage, also bis Ostern. Mama, was ist Ostern? An Ostern feiern wir, dass Jesus, der aus Liebe am Kreuz gestorben ist, wieder lebendig erschienen ist und lebt und in uns aufersteht und weiterlebt. Warum musste denn Jesus leiden und am Kreuz sterben? Er war doch ein guter Mensch. Ja, Jesus wollte die Welt zum Guten verändern und Liebe bringen, und das hat vielen nicht gepasst. Den Reichen sagte er, sie sollen auch an die Armen denken, und den Hohepriestern und Theologen warf er vor, sie machen den Leuten viele Vorschriften, die sie selber nicht einhalten, und sie spielen die Grossen, statt für die Menschen da zu sein. Und er hat Gott seinen Vater genannt, und da haben sie ihn angeklagt, dann wäre er ja der Sohn und mache sich selber zu Gott. Und darauf war die Todesstrafe. Mama, warum hat Gott denn nicht geholfen, wenn er Jesus so gern hatte? Ja, Gott hätte mit seinen Engeln die Feinde von Jesus töten können. Doch dann hätte er mit Gewalt eingegriffen und er wäre nicht der liebende Gott gewesen, der die Feinde nicht vernichten, sondern verwandeln will, dass sie ebenso lieben wie er. Gott hat seine Liebe gezeigt, indem er Jesus von den Toten zum ewigen Leben auferweckt hat. Und das ist etwas viel Grösseres, als dass Jesus noch länger als Mensch auf dieser Erde gelebt hätte. Mama, was heisst «von den Toten auferweckt»? Wo ist denn Jesus jetzt? Es gibt eine unsichtbare Welt, die viel grösser ist als was wir Menschen sehen. Wir leben schon in dieser unsichtbaren Welt, doch wir sehen sie nicht. In dieser Welt lebt der auferstandene Jesus und leben auch unsere Verstorbenen im allumfassenden Leben in Gott. Im Glaubensbekenntnis beten wir «Er sitzt zur Rechten des Vaters». Der Thron Gottes des Vaters ist überall. Der auferstandene Jesus lebt besonders in unseren Herzen weiter, wenn wir an ihn glauben und für ihn offen sind. Wie merken wir denn, dass Jesus in uns wohnt? Jünger, denen Jesus nach seinem Tod erschienen ist, haben gesagt, dass ihr Herz brannte, als er mit ihnen war. Hast du dies auch schon erlebt, dass dein Herz ganz warm wurde, voll Liebe? Dann hast du gespürt, wie Jesus mit seiner Liebe in deinem Herzen wohnt. Im Unterricht hat uns die Katechetin gesagt, durch den Tod am Kreuz habe Jesus uns und die ganze Welt erlöst. Was heisst das? Wir Menschen wissen, dass wir sterben müssen, auch wenn wir nicht gerne daran denken. Auch deine Grossmami und Onkel Willi sind ja gestorben. Vor dem Sterben haben wir Angst, auch wenn wir nicht daran denken. Wir haben Angst, krank zu werden, aber auch Angst, etwas aus Liebe zu wagen. Angst, zum Beispiel vor der heissen Herdplatte, kann uns vor Gefahren schützen. Doch Angst kann auch lähmen und habsüchtig oder machtgierig machen, um unser Leben abzusichern. Wir denken nur an uns und wollen viel besitzen, damit wir sicher genug zum Leben haben. Oder man will stark und mächtig sein, um alle anderen zu besiegen, und dies kann brutal enden. Erlöste Menschen bringen den Frieden. Sie leben anders, freier, können etwas wagen, aus Liebe etwas weggeben und für andere da sein. Hans Zünd