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«Bist du katholisch oder gläubig?»

Bei Regen nehme ich den Bus, nicht das Fahrrad, so auch kürzlich wieder. Hinter mir sassen zwei junge Frauen, beide etwa zwanzig. Zuerst achtete ich nicht speziell auf die Wortfetzen, die von hinten kamen, aber plötzlich hörte ich das Wort «Erstkommunion.» Da war mein Interesse natürlich geweckt. Die eine erzählte ihrer Freundin: «Erstkommunion war in der dritten Klasse, und später kam noch die Firmung, in der neunten.» Die Freundin wollte wissen: «Bist du katholisch?» «Ja», kam es klar zurück. «Und bist du gläubig?», war die nächste Frage. Da antwortete die junge Frau nicht sofort, sie zögerte. Nach einem kurzen Nachdenken meinte sie: «Hm, ja, vielleicht schon, ja.» «Bist du katholisch?» – eine klare Antwort. «Bist du gläubig?» – ein Zögern – eine vorsichtige Antwort. Ich hätte es eher umgekehrt erwartet. Wie oft höre ich heute Menschen, die beteuern, dass sie selbstverständlich an «etwas» glauben, an ein höheres Wesen, eine geistige Macht, eine spirituelle Kraft. Aber mit der Kirche (egal welcher), hätten sie es nicht so, die brauchten sie nicht für ihren Glauben. Ich verstehe die Antworten der jungen Frau so, dass für sie selbstverständlich war, dass sie zu einer Gemeinschaft gehört, dass sie sich ihren Glauben nicht selber zurechtlegt, dass sie, durch Elternhaus, Erstkommunion und Firmung, Religionsunterricht, hineingewachsen ist. Da denke ich gern weiter: Dazu zu stehen, katholisch zu sein, bedeutet, sich bewusst zu sein, zu einer Kirche, einer Gemeinschaft zu gehören. Diese gibt einen Rahmen vor, Leitlinien, gibt Bezugspunkte wie Kommunion und Firmung. Sie hat auch Schwachstellen, deshalb muss sie sich immer wieder vom Ursprung, vom Evangelium her befragen, ob sie im Geist Jesu Christi redet und handelt. Natürlich komme ich, auf dieser Grundlage, dann auch um eine persönliche Antwort nicht herum. Vielleicht mögen Sie diese beiden Fragen als Anregung mit in die Fastenzeit nehmen: Wie zeigt es sich, dass ich katholisch, dass ich gläubig bin? Luisa Heislbetz