Allgemein

Glücksgefühle auf dem Berg

Der Solothurner Hausberg lockte die vergangenen Wochen Jung und Alt in die Höhen. Das schöne Wetter und die Einweihung des Hotel Weissenstein haben wesentlich dazu beigetragen. Allgemein geniessen die Berge immer grössere Beliebtheit und so erstaunt es nicht, dass auch die Nachfrage nach Berggottesdiensten in unserem Pastoralraum gestiegen ist. Der Berg hat zwar den Menschen schon immer fasziniert, aber in unserem bewegten und hektischen Leben wird er wieder vermehrt als Ort des Rückzugs, der Naturbegegnung und des Auftankens entdeckt. Der Berg und sein Wille Bei uns Wallisern gehört der Berg fast wie der Wein zum Lebenselixier. Als kleiner Junge führte mich mein Grossvater, Förster und Wildhüter, ins Aletschgebiet und in die Höhen der Walliser Alpen. Ich staunte über die Vielfalt und Harmonie der Pflanzen- und Tierwelt, vom kleinen Insekt bis zum majestätischen Steinadler. Beeindruckt hat mich aber vor allem die Gegensätzlichkeit zwischen der Lebenswelt im Gebirge und der im Tal. Im Tal war das Leben von den Vorstellungen und der Technik des Menschen geprägt. Im Gebirge hingegen von der Logik und dem Willen der Natur. Auf diese hatte der Mensch keinen Zugriff und so verbarg der Berg etwas Unantastbares und Göttliches in sich. Der göttliche Charakter des Berges Der Berg ist insofern mehr als ein Berg. Er ist nicht nur eine Masse aus Gestein, die sich vor mir emporhebt. Beim näheren Betrachten eines Berges habe ich manchmal den Eindruck, dass er mit mir in Beziehung treten möchte. Falls ich mich auf diesen Dialog einlasse, kann er für mich auch zu einem lebendigen Zeichen für etwas werden, das mehr ist als das, was ich von ihm mit meinen Sinnen wahrnehme. Er wird durchsichtig für die göttliche Wirklichkeit. Nicht von ungefähr hat der Berg auch in der Bibel eine zentrale Bedeutung und wurde für viele Menschen zum Ort göttlicher Offenbarung. Auf dem Sinai empfängt Moses die zehn Gebote (Ex 20, 2-17) oder auf dem Berg Tabor erleben einige Jünger die Verklärung Jesu (Mt 17, 1-3). Der Berg als Lebensschule Wer von Oberdorf auf den Weissenstein steigt und nicht die Seilbahn benutzt, muss sich in den steilen Rampen anstrengen und braucht bis oben auch ein gewisses Durchhaltevermögen. Verschiedene physische und psychische Herausforderungen sind zu überwinden. Im Berg habe ich gelernt beharrlich zu bleiben und meine Entscheide nicht alleine von äusseren Umständen oder inneren Gefühlslagen abhängig zu machen. Denn am Ende des Weges wusste ich, dass mir der Gipfel meistens eine Antwort auf meine Standhaftigkeit, Zielstrebigkeit und Geduld gab. Wer das Ziel erreicht, ob Hügel oder Gipfel, den ergreift oft ein Gefühl tiefer Freude und innerer Erfüllung. Der einmalige Panoramablick oder die eindrückliche Fernsicht, gepaart mit einer sanften Bergesruhe, bewirken einen andächtigen Glücksmoment. Dieses Glücksgefühl lockt mich immer wieder in die Bergwelt.
Liebe Leserinnen und Leser, für gelebte Glücksgefühle mute ich Ihnen nicht unbedingt einen Bergaufstieg zu. Auch in den Niederungen des Alltags lassen sich die Spuren göttlicher Präsenz in den kleinen Dingen erfahren.

Mit herzlichen Grüssen, Gilbert Schuppli