Gedankensplitter

Gott schenkt uns Zeit zum Atmen

Viele von uns geniessen in der aktuellen Saison, im Sommer, ihre Ferien. Einige gehen ins Ausland, andere bleiben gemütlich zu Hause in der Schweiz – und ich gehöre zu dieser Gruppe –, für uns alle sind die Ferien eine Selbstverständlichkeit. Sie gehören zum Jahreslauf, der Anspruch auf Ferien ist gesetzlich geregelt, wir denken nicht gross darüber nach. Über eine ganz tiefe Begründung der Ferien möchte ich in den folgenden Zeilen mit Ihnen nachdenken:
Lassen wir uns kurz von den mythischen Erzählungen des biblischen Buches Genesis faszinieren. Ganz am Anfang lesen wir die poetische Darstellung, wie Gott das ganze Universum geschaffen hat. Und dann wird berichtet, dass Gott sich erholen wollte. (Gen 2,1–3). Die Bedeutung dieser Erholung wird von den Schriften erklärt: Er wollte die Schöpfung anschauen und seine Tat bewundern. Gott verliess nie seine schöpferische Arbeit, sondern nahm eine Pause, um das Produkt seiner Arbeit zu schätzen und zufrieden festzustellen: es war alles sehr gut gelungen.
Wenn wir Menschen uns daran erinnern, dass wir Ebenbild Gottes sind, verstehen wir also, dass er selbst uns einlädt, eine Pause von unserem Alltag zu nehmen. Und gleich wie Gott können wir unsere Taten anschauen und mit unseren Resultaten in der Familie, in der Arbeit oder in der Schule zufrieden sein, unsere guten Aktionen erkennen. Umso besser können wir vom Guten lernen, unsere zukünftigen Tage positiver zu gestalten. Wenn wir die Ferien so nutzen, wird ein Satz des englischen Schriftstellers und Journalisten Gilbert Keith Chesterton (1874–1936) klar: «In der flüchtigen Zeit der Ferien kann der Mensch anhalten und darüber reflektieren, was nicht flüchtig ist.» Ich wünsche euch und mir solche Ferien.
In dieser Saison findet eines der wichtigsten Hochfeste des Jahres statt, nämlich Mariä Himmelfahrt, am 15. August. Durch dieses Fest begreifen wir, dass Maria das Tor unserer christlichen Hoffnung ist. Die christliche Hoffnung betrifft sowohl unser Leben auf der Erde als auch das nach unserem Tod. Der Begriff «Ewiges Leben» wird in der Bibel mehrmals erwähnt und Matthäus notiert in seinem Evangelium die Worte Jesu, die das Ziel der christlichen Lebensgestaltung umschreiben: «Das Hundertfache erhalten und das ewige Leben erben» (Mt 19,29). Diese Versprechung verwirklicht sich in Maria, weil Gott in ihr die zwei wesentlichen Lebensphasen des Menschen, die Empfängnis und den Tod, heilte. Maria wurde vom Allmächtigen auserwählt, bevor sie zur Welt gekommen wurde – erinnern wir uns ans Fest der Empfängnis Mariä am 8. Dezember – und ihre Auserwählung wird von Gott mit ihrer Aufnahme in den Himmel bestätigt.
Maria ist ein Vorbild für uns Christen und Christinnen: In ihr spiegelt sich unsere Zukunft als Christen und Christinnen. Dass der Tod gewonnen ist, haben wir mit der Auferstehung Christi an Ostern gefeiert, in Maria, der Mutter Gottes und ersten Jüngerin Jesu, wird die Möglichkeit des ewigen Lebens noch betont. Nicht nur für sie, sondern für alle Christen und Christinnen. Auch wenn wir nicht wissen, wie dieses ewige Leben aussehen könnte, ist es uns verheissen. Lassen wir uns überraschen von Gott. Davide Bordenca