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Immer – immer wieder

Es ist inzwischen schon einige Jahre her, meine Nichte war vier oder fünf Jahre alt, als sie im Advent einmal zu mir sagte: «An Weihnachten kommst du immer zu uns.» Ich musste schmunzeln, denn ich war in den vergangenen Jahren vielleicht zwei oder dreimal an Weihnachten bei ihnen gewesen – aber weil es die ganze Spanne ihrer Lebenserfahrung betraf, war es für sie «immer». Weiter zurück konnte sie sich auch gar nicht erinnern. Immer, das drückt eine Gewissheit aus, etwas Zuverlässiges, etwas, das Menschen vertraut ist und sie verbindet. Dass es solche zuverlässigen «Immer-Gewohnheiten» gibt, tut gut.
Wie lange ist «immer»? Drei Jahre – dreissig Jahre – fünf Generationen? Seit 1291? Oder, aus der kirchlichen Perspektive: seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) oder seit dem Konzil von Trient (1545–1563), das nach der Reformation in der Kirche die Weichen neu gestellt hatte – seit Jesu Geburt – seit der Erschaffung der Welt? Es hängt zunächst vom konkreten Menschen ab, seiner Erfahrung, seinem Erinnerungsvermögen. Es gehören aber auch Erzählungen der Eltern, Grosseltern dazu, die wir als Teil unserer persönlichen Geschichte empfinden, auch wenn sie von Ereignissen erzählen, die vor unserer Geburt stattgefunden hatten. Beispielhaft ist da die jüdische Geschichte. Alle Erfahrung der Ur-Mütter und Ur-Väter auf ihrem Glaubensweg wurde zur Erfahrung der nächsten Generationen, von Abraham und Sara und Mose ab. Alles wird in die Lebens- und Glaubensgeschichte integriert. Wir nennen so etwas eine Geschichte mit fortlaufendem Anfang.
Immer-Erfahrungen, die nicht mehr gelten, können mit Wehmut oder mit Erleichterung verbunden sein. In der Kirche höre ich oft zuerst Bedauern hinter den «früher hatten wir immer»-Erzählungen: «Früher haben wir im Pfarrsaal immer grosse Feste gefeiert.» Das ist ein «Immer», das vielleicht von 1950 bis 1980 galt. «Früher waren unsere Kinder jeden Samstag in der Jungwacht und im Blauring – die Grosskinder gehen heute lieber in den Sportverein.»
Aber es gibt auch «Immer», die wir gern hinter uns lassen: «Früher hat der Pfarrer immer kontrolliert, ob wir am Sonntag in der Kirche waren.» Es gibt immer, die lange galten, von denen wir froh sind, dass sie nicht mehr gelten, wir vermissen sie nicht: «Die liturgische Sprache im Gottesdienst wird in der katholischen Kirche immer Latein sein» – das sagte noch zu Beginn des 2. Vatikanischen Konzils einer, der sich sehr für Reformen in der Kirche stark machte, Hans Küng. Was ihm 1962 noch undenkbar schien, galt bereits 1970 nicht mehr. Die Landessprache wurde zur Gottesdienstsprache. Die Kirchenleitung hatte erkannt, dass es wichtiger ist, dass die Menschen verstehen, was im Gottesdienst gesagt und gebetet wird, dass dies der höhere Wert ist als eine Sondersprache, die die Würde des Geschehens unterstreichen sollte.
Bei den Veränderungen, die eine zunehmende Kooperation der fünf Pfarreien unseres Pastoralraumes mit sich bringen, höre ich viele Immer-Erinnerungen. Dinge, die vielleicht gar keine so grosse Bedeutung hatten, als sie selbstverständlich (eben: immer) abliefen, werden plötzlich wichtig. Es ist unsere Aufgabe, im Seelsorgeteam und mit Ihnen, denen die Pfarreien am Herzen liegen, dass wir gut hinschauen, worum es jeweils geht: was ist der Kern dessen, das so geschätzt wird, das erhalten bleiben muss, und was ist «die Verpackung», die Form, in der das Anliegen bisher gelebt wurde, und die auch anders gestaltet werden könnte.
Immer wieder Nun gibt es in der Kirche ein grosses Immer wieder: das Kirchenjahr, das jedes Jahr im Dezember mit dem Advent beginnt. Es ist eine zuverlässige Konstante, unabhängig von Moden oder Strömungen. Das Kirchenjahr bettet uns ein in die Geschichte Gottes und Jesu mit uns Menschen. Es nimmt uns mit und bewahrt das Wesentliche, das Getragensein im Glauben. Es ist unser Referenzrahmen, dass wir nicht aus der Geschichte Gottes mit den Menschen herausfallen. Hoffen wir, dass es uns auch in Veränderungsprozessen und manchen Abschieden von alten «Immer» hält und zusammenhält. Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen und frohen Advent.

Luisa Heislbetz

 

 

 

 

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