Archiv für die Kategorie „Impuls“

Fastenkalender: Rezept

Wo ist der Fastenkalender 2015? Finde ihn unter den Büchern auf dem Schreibtisch.
Es ist Sonntag, es regnet. Der Tag in ein unfreundliches Grau getaucht. Sogar die Zeit ist grau. Seit Wochen schon diese nasskalten Wintertage. Habe ich wirklich das Recht, missgelaunt zu sein? Mein Büro ist warm, Musik wärmt mein Innerstes. Der Kalender vor mir zeigt Gewürzgläser. Auf der Etikette der Inhalt fein angeschrieben: Ausdauer, Humor, Respekt, Mut, Kritik, Elan. Genau davon will ich jeweils eine Prise über den anbrechenden Tag streuen. Neugierig beginne ich, zu blättern. Und entdecke: «Rezept gegen das Horten». Ohne weiterzulesen fühle ich in mir einen kleinen Stachel. Lese vom Brot, von Wüstenerfahrungen, vom Manna – hole die Bibel, lese darin … Finde später im Kalender: «Rezept für den Glauben an das Gute» und nehme mir vor, positive Gedanken aufzuschreiben – eben, für graue Tage. Weiter: «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern … », nein, kein dummer Spruch, sondern «… von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.» Das Rezept, das mir hilft, dies zu verstehen, finde ich unten auf der gleichen Seite. Rezepte für Klimaschutz, gegen die Dürre, gegen den Landraub, für ein nachhaltiges Leben und mehr Gerechtigkeit, das Beste danach: «Rezept für mehr Liebe statt Hass». Jetzt ist mir die Zeit davongelaufen, denn es ist kurz vor Mittag geworden. Das Zitat dieser Seite nehme ich mit als ermutigendes Rezept, nicht nur in der Küche: «Besser ein Teller Gemüse und Liebe dazu als ein gemästeter Ochse und Hass dabei.»
Gerne empfehle ich Ihnen die Lektüre dieses Rezeptbuches an grauen Tagen – und an heiteren.
Béatrice Fessler-Roth

Das Licht im Fenster

Manchmal fallen mir Geschichten zu. Es sind die unverhofften Geschenke, die haften bleiben und zu Begleitern in ein neues Jahr werden. Geschenke bereiten am meisten Freude, wenn man sie teilen kann. Bald ist der erste Monat vorbei. Das Licht, welches Gott zu den Menschen gesandt hat und zum Licht der Liebe geworden ist, aber erlischt mit der Weihnachtsbeleuchtung nicht. Dazu die kleine Geschichte:
Die Frau, welche sie erzählt, wohnt in der Wohnung eines grossen alten Wohnblocks in Hamburg. Im Block gegenüber entdeckt sie im Advent ein
kleines Windlicht auf einem Fenstersims. Es brennt jeden Abend, wenn sie nach Hause kommt. Auch im Januar verschwindet es nicht. Selbst nachts, als sie einmal aufsteht und hinaus blickt, sieht sie das kleine Licht. Sie geht diesem Lichtlein auf den Grund und trifft drüben in der Wohnung auf eine alte Frau mit weissem Haar. Bei Kaffee und Kuchen erfährt sie das Geheimnis des Lichts vor dem Fenster. Die alte Frau stammt aus Amrum, einer nordfriesischen Insel. Als junge Frau hatte sie sich in einen kräftigen blonden Fischer verliebt. Ihr Vater und die Freunde rieten ihr von dieser Beziehung ab. Man wisse nie, ob der Geliebte von der wochenlangen Abwesenheit auf dem Meer wieder zurückkehre. Es sei ein gefährlicher Beruf, bei Wind und Wetter draussen auf dem Meer zu sein. Sie aber hatte ihr Herz an den Fischer verloren und heiratete ihn. Wenn er nach Hause kam, erzählte er ihr die wunderbarsten Geschichten vom Nordlicht, das in den Nächten über den Wellen geisterte und flackerte. Sie stellte jede Nacht ein kleines Licht ins Fenster, damit er heimfinden könne. Dann kamen die Herbststürme und es geschah: Sein Schiff kehrte nicht mehr zurück. Man verstand nicht, dass sie ihr Lichtlein trotzdem jede Nacht anzündete und auch nichts davon wissen wollte, als junge Frau nochmals zu heiraten.

Irgendwann zog sie nach Hamburg. Auch da, mitten in der Stadt, zünde sie das Licht auf dem Sims jede Nacht an. «Wissen Sie», sagte die alte Frau, «er wäre doch verloren in dieser grossen Stadt. So kann er mich finden, wenn er zu mir kommt und mich zu sich holt. Dahin, wo er jetzt ist.» Sie lächelte, als sie dies sagte.

Das kleine Licht, irgendwo, das wünsche ich uns allen. Es brennt zuverlässig jederzeit, besonders dann, wenn wir in Dunkelheit und Mutlosigkeit zu versinken drohen. Und einen starken Glauben an die Liebe, das grösste Geschenk Gottes, wie ihn die Frau in unserer Geschichte hatte, das wünsche ich uns von Herzen.
Béatrice Fessler-Roth

Ein neues Jahr

Liebe Pfarreiangehörige
Wenn Sie dieses «Kirchenblatt» in Ihren Händen halten, stehen wir kurz vor dem Heiligen Abend. In einigen Tagen liegt das Weihnachtsfest
2014 hinter uns und das neue Jahr 2015 vor uns. Weihnachten ist alsbald vorbei, die unzähligen Krippenlandschaften werden abgebaut und feinsäuberlich verstaut, bei einigen früher, bei anderen später. In unserer Kirche wird die Krippe bis und mit 11. Januar (Taufe des Herrn) stehen.
Weihnachten ist alsbald vorbei – aber noch lange nicht zu Ende. Vor uns liegt ein ganzes Jahr, das uns einlädt, etwas von diesem einmaligen
Ereignis, dem Aufstrahlen von Gottes Güte und Liebe, in die Welt zu tragen. Kleine Schritte und Zeichen der Liebe und Hingabe für den Anderen, nicht nur an Weihnachten, aber inspiriert aus dem Weihnachtsgeschehen.
Kürzlich sagte mir jemand bei einem Hausbesuch: «Wissen Sie, wenn es etwas gibt, von dem es auf dieser Welt genug hat, dann sind es die Stunden. Jeden Tag bekommen wir 24 neue Stunden geschenkt.»

Im Namen des ganzen Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen allen viele gute Stunden im neuen Jahr. Stunden, in denen Sie selbst etwas von diesem Weihnachtsereignis, das wir alljährlich feiern, spüren dürfen, und ebenso Stunden, in denen Sie die Liebe Gottes, sein Licht zu Ihren Lieben tragen dürfen.

Ihr Diakon Markus Stalder

Weihachtsfreude

Ich freue mich auf Weihnachten und auf die besonderen Dinge, die in der Adventszeit das Leben schön machen.
Wie wohltuend sind die Kerzen und Lichter in der Advents- und Weihnachtszeit. Sie sind wie Grüsse aus einer anderen Welt, die in unsere
oft hektische Vorweihnachtszeit hinein Ruhe und Besinnung bringen.
Ich freue mich auch auf Weihnachten, weil es die Zeit ist, in der uns auf ganz besondere Art und Weis bewusst werden kann, dass Gott uns liebt. Die Lichter, die Überraschungen und die Traditionen erinnern an Gottes Geschenke für die Menschen. Durch Jesus seinen Sohn schenkt er
uns seine Liebe, seinen Frieden und ewiges Leben. Er ist bei uns – in den besonderen Momenten ebenso wie an jedem ganz normalen Tag.
In Gedanken bei Ihnen wünsche ich Ihnen eine frohe Adventszeit und ein gesegnetes Weihnachtsfest.
Bea Corti

Charles de Foucault

November – immer wieder November. Er will sich mit seinen feucht-nebligen Tagen in mir breitmachen. Ich entzünde die kleine Kerze im Glas. Zwei Todesfälle der letzten Tage lassen keine Ruhe, hängen sich schwer an mich. So lande ich in meinem «Notvorrat», meinem inneren Zufluchtsort. Und finde: Charles de Foucault, der Trappistenmönch. Ihm bin ich diesen Sommer in abgelegenen Bergen des wilden Gévaudan in der Ardèche im Kloster «Notre Dames des Neiges» begegnet. Er war anwesend im kleinen Museum, auf Bildern und in ausgestellten Briefen. Das Leben im Kloster hatte er als zu wenig hart befunden und sich deshalb nach der Priesterweihe nach Algerien entsenden lassen. Dort befasste er sich mit der Kultur der Tuareg, baute eine Klause in Tamanrasset (Algerien), widmete sich der Entwicklung seiner eigenen Spiritualität und betreute während des 1. Weltkriegs die französischen Soldaten seelsorgerlich.

Am 1. Dezember 1916 wurde er von Aufständischen vor seiner Klause überfallen und erschossen. Sein Lebensideal, als Mönch nicht im Kloster, sondern mitten unter den Menschen in einer kleinen geistlichen Gemeinschaft zu leben, entsprach seiner Vorstellung der Nachfolge Jesu. Trost finde ich in einem seiner Gebete. Diesen Trost möchte ich auch Ihnen weiterschenken, wenn der Nebel sich schwer auf die Seele legen will.

Mein Gott,
ich überlasse mich dir:
mach mit mir, was dir gefällt.
Was du auch mit mir tun magst, ich danke dir.
Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an.
Wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt und an allen deinen Geschöpfen,
so ersehne ich nichts weiter, mein Gott.
In deine Hände lege ich meine Seele.
Ich gebe sie dir, mein Gott, mit der Liebe meines ganzen Herzens,
weil ich dich liebe, und weil diese Liebe mich treibt, mich dir hinzugeben,
mich in deine Hände zu legen, ohne Mass, mit einem grenzenlosen Vertrauen.
Denn du bist mein Vater.
Amen.

Béatrice Fessler-Rot

Mehrwert Religion

Die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft bringt für den
Einzelnen einen «Mehraufwand» mit sich. Das beginnt bereits bei der
Entscheidung, ob die eigenen Kinder zur Taufe geführt werden, zieht
sich fort im Besuch des Religionsunterrichts und stellt den gläubigen
Menschen vor die Frage, wie er seinen Glauben lebt. Feiere ich mit
anderen gemeinsam hin und wieder einen Gottesdienst an einem
Sonntagmorgen? Engagiere ich mich in der Pfarrei zum Wohle der Gemeinschaft über meine sonstigen alltäglichen Verpflichtungen hinaus? Tausche ich mich mit andern über Fragen zu Gott aus? Religion entstammt dem lateinischen Wort «religare», was so viel heisst wie: sich an etwas zurückbinden. Was liegt ausserhalb meiner selbst und hat zutiefst doch mit mir selbst zu tun? Bereits hier wird dem aufmerksam Lesenden klar: Wer sich mit Fragen der Religion auseinandersetzt, ist bereit, einen «Mehraufwand» zu betreiben. Konsequenterweise stellt sich im Anschluss daran auch die Gegenfrage: Worin liegt der «Mehrwert» dieses Aufwandes? Ein Aufwand, der nicht unbedeutend ist, denken wir an die Kinder und Jugendlichen, die je nach Schulstufe aufgrund ihrer Konfession mehre Schulstunden haben als ihre Klassenkameraden, welche diesen Lebensbereich institutionell ausschliessen. In Diskussionen mit Jugendlichen und Eltern stellt sich immer mal wieder die Frage: Muss man kommen, muss das sein …? Vergleiche aus dem Alltäglichen hinken immer hinterher, da sie letztlich immer nur in Analogie gesehen werden
können, das heisst: Ähnlichkeit bei noch grösserer Unähnlichkeit. Sie weisen auf nachvollziehbare Begebenheiten hin, treffen den Kern der
Sache indes nie vollends.

Die grundsätzliche Schwierigkeit liegt letztlich wohl darin, dass der Mehrwert des Mehraufwandes Religion nicht eindeutig klar ist. Es gibt
kein Abschlusszertifikat, welches gerahmt aufgehängt werden kann. Dass es kein solches geben kann, ergibt sich aus der Sache selbst. Die
Frage nach der Religion, nach dem, was mich als Mensch unbedingt angeht, ist nie abgeschlossen, sondern verändert sich, so wie auch ich
mich als Mensch verändere. Und doch gibt es, dessen bin ich fest überzeugt, einen «Mehrwert». Er liegt im Luxus der Zeit, die aufgewendet
wird, um das eigene Leben vor Gott zu bringen und zu reflektieren. Immanuel Kant (1724 – 1804) hat im Rahmen seiner philosophischen
Überlegungen vier Fragen formuliert, die auch für den religiös fragenden Menschen wegweisend sind:
1. Was kann ich wissen? 2. Was soll ich tun?
3. Was darf ich hoffen? 4. Was ist der Mensch?
Letzten Endes aber und somit schliesst sich der Kreis, wer diesen Fragen nachgehen will im Blick auf sein eigenes Leben, der ist a priori immer auch bereit, einen Mehraufwand zu betreiben. Der «Mehrwert» wird nicht ausbleiben, aber er ist weder eindeutig quantifizierbar noch
qualifizierbar, da er jeden Menschen im eigenen Kern betrifft. Als Seelsorgende, also jene, die sich um die Seele, den inneren Kern des
Menschen sorgen, gehen wir mit den Menschen auf die gemeinsame Suche dieses «Mehrwertes». Wir haben weder abschliessende Antworten, noch liegt es an uns zu beurteilen. Es ist ein gemeinsamer Weg, bei dem jeder von den Erkenntnissen und Erfahrungen des anderen profitieren kann. Als Gemeinschaft der Glaubenden teilen wir die gemeinsame Hoffnung in der Feier der Sakramente und des Gottesdienstes.

Und wohin wendet sich der Mensch in der Not?
Wir sind jederzeit offen für ein Gespräch über Gott und die Welt, gerne auch bei einem Glas Wein.
Herzlichst, Ihr Diakon Markus Stalder.

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